Welche geheimen kosten hinter digitalen verwaltungsdiensten in berlin stecken

Welche geheimen kosten hinter digitalen verwaltungsdiensten in berlin stecken

Immer wieder höre ich die gleiche Frage, wenn ich mit Bürgerinnen und Bürgern über die Digitalisierung der Verwaltung spreche: „Ist das nicht günstiger und schneller?“ Auf den ersten Blick scheint die Antwort ja zu sein. Weniger Papier, weniger Wege, schnellere Prozesse. Doch je tiefer man gräbt, desto mehr versteckte Kosten kommen ans Licht — sowohl für die öffentliche Hand als auch für uns Nutzerinnen und Nutzer. In diesem Artikel möchte ich Ihnen anhand konkreter Beispiele und Fragen aufzeigen, welche geheimen Kosten hinter digitalen Verwaltungsdiensten in Berlin stecken und warum die Rechnung oft komplizierter ist als erwartet.

Welche direkten Kosten entstehen beim Aufbau digitaler Dienste?

Viele denken bei Digitalisierung zunächst an Software und Server — und das sind tatsächlich zentrale Kostenpunkte. Aber die Liste ist länger:

  • Entwicklung und Anpassung von Software: Standardlösungen wie Open-Source-Produkte sind nur der Anfang. Für Integration in bestehende Fachverfahren, Barrierefreiheit und Datensicherheit sind oft teure Anpassungen nötig.
  • Betrieb und Hosting: Sichere Rechenzentren, regelmäßige Backups, Updates und Hochverfügbarkeitslösungen sind nicht gratis. In Berlin legen Behörden großen Wert auf Hosting in Deutschland oder der EU, was die Kosten erhöht.
  • Lizenz- und Wartungsverträge: Kommerzielle Anbieter verlangen jährliche Gebühren. Auch Supportverträge für kritische Systeme summieren sich.
  • IT-Sicherheit: Penetration-Tests, Zertifizierungen (z. B. ISO 27001) und Incident-Response-Teams sind essenziell — gerade nach den jüngsten cyberangriffen auf Verwaltungen.
  • Welche versteckten Personalkosten treten auf?

    Digitalisierung bedeutet nicht weniger Personal, sondern oft anderes Personal. Diese Umstellung ist teuer und dauert:

  • Schulungen und Qualifizierung: Mitarbeitende müssen neue Systeme erlernen. Das kostet Zeit und Geld — und kann produktive Kapazität kurzfristig reduzieren.
  • Spezialisten anstellen: DevOps, IT-Security-Experten, Data-Protection-Officer — diese Profile sind auf dem Markt teuer und werden in Behörden dringend gebraucht.
  • Change-Management: Prozesse müssen neu gedacht werden. Dafür braucht es Berater, Projektmanagement und interne Koordinatoren.
  • Welche indirekten Kosten entstehen für die Nutzerinnen und Nutzer?

    Die Bevölkerung zahlt oft indirekt mit Zeit, Unsicherheit und verlorener Effizienz:

  • Zahlungsgebühren und Transaktionskosten: Manche Dienste sind zwar digital zugänglich, verlangen aber Gebühren für Online-Zahlungen oder Nutzung bestimmter Anbieter (z. B. Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Klarna).
  • Digitale Spaltung: Menschen ohne passende Geräte, ohne stabile Internetverbindung oder mit geringer digitaler Kompetenz sind benachteiligt. Das führt zu zusätzlichem Beratungsbedarf an Servicepunkten und erhöht langfristig die Kosten der Verwaltung.
  • Fehlerkosten: Falsche Eingaben in digitalen Formularen oder Missverständnisse bei Online-Abläufen führen zu Nachfragen, Rückfragen und Korrekturen — das kostet Zeit und Geld auf allen Seiten.
  • Wie verteilen sich die Kosten zwischen Bund, Land und Kommunen?

    In Berlin zeigt sich ein typisches Problem der föderalen Struktur: Zuständigkeiten sind verteilt, Finanzierung oft fragmentiert. Das führt zu Redundanzen und Ineffizienzen:

  • Mehrere Ebenen, mehrere Systeme: Wenn Bundes- und Landesdienste nicht miteinander kommunizieren, entstehen Schnittstellenkosten. Beispiel: Melderegisterdaten, Führerscheinneuerungen oder Bauanträge.
  • Projektfinanzierung statt nachhaltiger Investition: Viele Projekte werden kurzfristig finanziert (Förderprogramme mit begrenzter Laufzeit). Danach fehlt das Geld für Betrieb und Weiterentwicklung.
  • Welche langfristigen Folgekosten sind zu erwarten?

    Digitalisierte Dienste sind nicht einfach „einmal anschaffen“ — sie brauchen Pflege:

  • Technische Schulden: Schnelle Implementierungen ohne saubere Architektur führen zu späteren hohen Kosten für Refactoring.
  • Obsoleszenz: Hardware und Software altern. Regelmäßige Investitionen sind nötig, damit Systeme sicher und performant bleiben.
  • Rechtliche Anpassungen: Datenschutzgesetze, neue EU-Regeln oder Gerichtsentscheidungen können Anpassungen erfordern, die nicht budgetiert waren.
  • Gibt es Beispiele aus Berlin, die das verdeutlichen?

    Ja. Als Redakteurin habe ich mehrere Projektverläufe begleitet. Ein Beispiel ist die digitale Terminvergabe in Bürgerämtern: Die Einführung eines neuen Systems sollte Wartezeiten reduzieren. Stattdessen gab es anfangs doppelte Buchungen, verlorene Daten und hohe Supportanforderungen. Kostenpunkt: Nachbesserungen, zusätzlicher Personaleinsatz und externe IT-Unterstützung. Ein anderes Beispiel ist die Online-Beantragung von Kitas: Die Software erzeugte unklare Kriterien für die Vergabe, Eltern mussten nachtelefonieren, es entstanden Frustration und Mehraufwand für die Verwaltung.

    Wie lassen sich diese versteckten Kosten vermeiden oder reduzieren?

    Einige Maßnahmen helfen, Risiken zu mindern und Kosten transparent zu machen:

  • Transparente Kostenrechnung: Bei jedem Digitalprojekt sollten Betriebskosten, Personalkosten und Folgekosten mitbedacht werden — nicht nur die Anschaffung.
  • Interoperabilität priorisieren: Offene Standards und Schnittstellen verhindern Sackgassen und Doppelstrukturen.
  • Bürgerorientiertes Design: Nutzerzentrierte Entwicklung reduziert Fehler und Nachfragen. Ein Beispiel sind Usability-Tests mit echten Nutzerinnen und Nutzern — das spart später Zeit.
  • Langfristige Finanzierungsmodelle: Weg von kurzfristigen Förderungsprojekten hin zu stabilen Budgets für Betrieb und Weiterentwicklung.
  • Lokale digitale Zugänge erhalten: Digitalisierungsstrategien müssen analoge Alternativen sichern, damit niemand zurückgelassen wird.
  • Wer trägt letztlich die Verantwortung — und wer zahlt?

    Politische Verantwortung liegt bei den gewählten Vertretungen und den Verwaltungsspitzen. Praktisch bezahlt aber die Gesellschaft: durch Steuern, Gebühren und im Fall von Ineffizienzen durch verlorene Zeit und eingeschränkte Teilhabe. Oft fehlen in Diskussionen klare Angebote zur Kosten-Nutzen-Analyse: Was spart der Staat langfristig, welche Mehrkosten entstehen temporär, und wer übernimmt das Risiko, wenn Systeme nicht funktionieren?

    Welche Fragen sollten Bürgerinnen und Bürger stellen?

    Wenn Sie das nächste Mal auf eine neue digitale Dienstleistung treffen, empfehle ich diese Fragen zu stellen oder in öffentlichen Debatten einzubringen:

  • Wie hoch sind die laufenden Betriebskosten und wer zahlt sie?
  • Gibt es eine Barrierefreie Alternative für Menschen ohne Internetzugang?
  • Welche Datenschutzmaßnahmen wurden getroffen und welche Prüfungen (z. B. Security-Audits) gab es?
  • Wie wird Interoperabilität mit anderen Systemen sichergestellt?
  • Gibt es Transparenzberichte, in denen Fehler, Kostenüberschreitungen oder Nutzungszahlen offengelegt werden?
  • Kostenart Beispiele Wer zahlt?
    Initiale Entwicklung Software, Schnittstellen, UX-Design Land/Bund/Projektförderung
    Laufender Betrieb Hosting, Support, Updates Land/Kommunen (aus Haushaltsmitteln)
    Personalkosten Schulungen, Spezialisten Behördenhaushalte
    Folgekosten Refactoring, Rechtsanpassungen Öffentliche Hand / Steuerzahler

    Digitalisierung ist kein Selbstläufer. Sie verspricht vieles, liefert aber nur, wenn man die langfristigen Kosten, die organisatorischen Veränderungen und die sozialen Folgen von Anfang an mitdenkt. In Berlin beobachte ich, dass Erfolg dann entsteht, wenn Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft gemeinsam planen — mit Transparenz, realistischen Budgets und echtem Nutzerfokus. Fragen Sie nach diesen Aspekten, fordern Sie Einsicht in Kostenpläne und beteiligen Sie sich an der Debatte: Nur so wird Digitalisierung wirklich effizient und gerecht.


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