Wie berlins festivals nachhaltiger planen und plastik komplett vermeiden wollen

Wie berlins festivals nachhaltiger planen und plastik komplett vermeiden wollen

Wenn ich in den letzten Jahren über Berliner Festivals berichtet habe, fiel mir ein Trend immer deutlicher auf: Die Bereitschaft, Plastik zurückzudrängen, ist nicht mehr nur ein grüner Wunschzettel, sondern wird zur zentralen Planungsaufgabe. Ob bei Musikevents wie dem Lollapalooza, Kulturfestivals oder Straßenfesten — die Frage lautet zunehmend: Wie organisieren wir Festivals so, dass Plastik komplett vermieden wird?

Warum das Thema für mich wichtig ist

Als Journalistin, die regelmäßig vor Ort recherchiert, sehe ich die Auswirkungen von Einwegplastik unmittelbar: verstopfte Aschenbecher, Mikroplastik in der Spree oder Berge von Bechern und Besteck nach dem Wochenende. Aber ich sehe auch die kreative Energie, mit der Veranstalterinnen und Veranstalter reagieren. Nachhaltigkeit ist inzwischen ein Qualitätsmerkmal — und für viele Festivals eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Welche Maßnahmen werden bereits umgesetzt?

In Berlin gibt es eine ganze Bandbreite an Ansätzen, die von einfachen Regeln bis zu innovativen Systemlösungen reichen. Ich habe mit Organisatoren gesprochen und folgende Maßnahmen beobachtet:

  • Reusable-Cup-Systeme mit Pfand: Viele Festivals arbeiten mit Mehrwegbechern, die gegen Pfand ausgegeben werden. Anbieter wie Recup oder lokale Start-ups liefern die Becher und übernehmen Reinigungssysteme.
  • Geschirrverleih: Statt Einwegbesteck setzen Caterer auf Porzellan oder kompostierbares Geschirr, oft in Kombination mit Spülstationen.
  • Einheitsliner-Verbot: Einige Veranstalter verbieten Stände die Nutzung von Plastikverpackungen und verlangen nachhaltige Alternativen.
  • Getränke- und Foodtruck-Regelungen: Verträge schreiben Mehrweg bevorzugende Lieferanten vor, auch für Großkanister und Kisten.
  • Separate Recycling- und Kompostinseln: Gut beschilderte Sammelstellen mit Anleitungen in mehreren Sprachen reduzieren Fehlwürfe.
  • Pfandsysteme: Mehrweg als Standard

    Ein Pfandsystem hat sich als besonders wirkungsvoll erwiesen. Auf dem Fête de la Musique in Berlin und bei vielen Open-Air-Konzerten gehört der Mehrwegbecher inzwischen zum Standard. Die Idee ist simpel: Wer den Becher zurückgibt, bekommt das Pfand zurück. In der Praxis ist die Umsetzung aber anspruchsvoll. Es braucht genug Rückgabestellen, geschultes Personal und eine robuste Logistik für Reinigung und Lagerung.

    Ein Vorteil ist, dass solche Systeme skalierbar sind. Kleinere Festivals können mit lokalen Spülservices zusammenarbeiten, größere Events wie das Herbstfest nutzen mobile Spülcontainer. Die Kosten für Anschaffung und Reinigung sind zwar höher als bei Einwegplastik, werden aber oft durch die Pfanderlöse und Sponsoring kompensiert.

    Kompostierbare Alternativen: Chance oder Greenwashing?

    Biokunststoffe oder kompostierbare Teller sind verlockend, aber nicht immer die Lösung. Entscheidend ist, dass sie auch tatsächlich industriell kompostiert werden — und nicht im Restmüll oder als Verschmutzung in der Umwelt enden. Ich habe mit Umweltexpertinnen gesprochen, die betonen: Material allein löst das Problem nicht. Es braucht die passende Entsorgungsinfrastruktur.

    Einige Berliner Festivals haben deshalb regionale Partnerschaften mit Kompostieranlagen geschlossen. Dort wird das Material sortiert und fachgerecht behandelt. Ohne solche Absprachen können kompostierbare Produkte am Ende sogar problematischer sein als wiederverwendbare Lösungen.

    Vendor- und Lieferantenverträge: Entscheidungen treffen, bevor das Festival startet

    Ein weiteres wichtiges Instrument sind klare Vorgaben in Verträgen mit Caterern und Händlern. Als Organisatorin kannst du festlegen, dass nur Mehrwegbehälter, kein Styropor und keine Einwegbestecke erlaubt sind. Das hat direkte Wirkung: Lieferanten richten ihre Angebote danach aus.

    Bei einem Berliner Kulturfestival, das ich begleitet habe, mussten alle Essensstände eine Nachhaltigkeitserklärung unterzeichnen. Verstöße führten zu Vertragsstrafen. Solche Maßnahmen erzeugen zwar kurzfristigen Aufwand, setzen aber einen Standard, der mittelfristig zur Normalität werden kann.

    Die Rolle von Technologie und Digitalisierung

    Digitale Tools helfen, Plastik zu vermeiden: Apps informieren über Rückgabestellen, RFID-Chips ermöglichen Deposit-Systeme ohne Bargeld, und Online-Ticketing reduziert Vor-Ort-Verpackungen. Auf einem Tech-Festival in Berlin wurde ein System getestet, bei dem Fast-Casual-Küchen über eine Plattform ihre Bestellung in Mehrweggeschirr ausgeben — per QR-Code ließen sich Pfandrückgaben bequem dokumentieren.

    Herausforderungen, die Veranstalter noch bremsen

    Trotz guter Ansätze gibt es Hürden:

  • Kosten: Mehrweg, Logistik und Reinigung sind teurer als Einwegplastik.
  • Infrastruktur: Nicht jeder Veranstaltungsort bietet genug Platz für Spülflächen oder Lagerung von Mehrweg.
  • Publikumsverhalten: Besucher müssen informiert und motiviert werden, Becher zurückzugeben oder Müll richtig zu trennen.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Hygienevorschriften und Abfallbestimmungen können die Umsetzung verkomplizieren.
  • Dennoch bin ich beeindruckt, wie kreativ viele Teams mit diesen Problemen umgehen. Mobile Spülcontainer, freiwillige Helferinnen, Informationskampagnen und Kooperationen mit lokalen Betrieben mildern die Nachteile.

    Gute Beispiele aus Berlin

    Ein paar konkrete Initiativen, die mir aufgefallen sind:

  • Das Umweltfestival setzt vollständig auf Mehrweg und arbeitet mit lokalen Non-Profits für die Sammlung.
  • Ein kleines Theaterfestival nutzt Pfandboxen für Tassen und hat einen Partner, der die Reinigung übernimmt — das spart Zeit und minimiert Plastik.
  • Das Berliner Straßenfest in Kreuzberg hat einen Markt mit nur wenigen Ausnahmeprodukten: Die meisten Händler verkaufen unverpackt oder in Glasflaschen.
  • Was Zuschauerinnen und Zuschauer tun können

    Auch das Publikum spielt eine Rolle. Wenn ich Festivals besuche, bringe ich gern eine wiederverwendbare Trinkflasche mit und nehme beim Essen wiederverwendbares Besteck. Kleine Aktionen, die viel bewirken:

  • Wiederverwendbare Flasche oder Becher mitbringen.
  • Auf Postkarten oder in Social Media Veranstalter loben, die nachhaltig arbeiten — positive Anerkennung wirkt.
  • Beim Kauf von Essen nachfragen, ob Mehrweg möglich ist.
  • Veranstalter über Probleme informieren, statt sie nur zu kritisieren.
  • Wie Politik und Fördermittel unterstützen

    Politische Unterstützung kann vieles erleichtern: Förderprogramme für die Anschaffung von Mehrweg-Kits, Subventionen für Reinigungslösungen und klare Vorgaben für öffentliche Räume. In Berlin gibt es bereits Zuschüsse für nachhaltige Veranstaltungstechnik, doch ich wünsche mir mehr gezielte Programme, die kleinere Festivals entlasten.

    Ein Modell, das diskutiert wird, ist ein städtisches Leihsystem für Mehrwegbecher, das von mehreren Events gemeinsam genutzt wird — das senkt Kosten und reduziert Lagerprobleme.

    Meine Beobachtung: Wandel braucht Zeit — und Vorbilder

    Was mich optimistisch stimmt, ist die Bandbreite an Konzepten und der Austausch zwischen Veranstaltern. Wo es Vorbilder gibt, entstehen schnell Nachahmer. Wenn ein großes Festival zeigt, dass Mehrweg funktioniert, übernehmen kleinere Events die Prinzipien. Als Journalistin beobachte ich diesen Lernprozess aufmerksam und berichte darüber — denn Sichtbarkeit ist ein Hebel.

    Wenn Sie Ideen haben oder mir von einem Festival berichten möchten, das besonders ambitioniert beim Thema Plastikvermeidung ist, melden Sie sich gern über die Kontaktmöglichkeiten auf unserer Seite. Ich sammle Beispiele für eine längere Serie über nachhaltige Events in Berlin.


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